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Am 18. Januar 1871 wurde im Spiegelsaal von Versailles das Deutsche Kaiserreich proklamiert. Deutung und Erbe des damals gegrundeten Nationalstaats sind heute umstritten. In welchem Verhaltnis steht die Berliner Republik zum Reich Bismarcks und Wilhelms II.? Wie demokratisch war der nationale Staat? Hat sich Deutschland damals auf einen "e;Sonderweg"e; in die Moderne begeben? War in der Reichsgrundung der Weg zum Ersten Weltkrieg bereits angelegt. Was verbindet 1871 und 1933, was Versailles und Auschwitz?Die Debatten ber "e;Die Schlafwandler"e; und die Hohenzollern zeigen, dass der Schatten des Kaiserreichs bis in die Gegenwart reicht. Ein neuer Nationalismus taucht das vergangene Reich in ein rosiges Licht und versucht, ein kritisches Bild seiner Geschichte zu entsorgen. Doch die Reichsgrndung war eine Revolution von oben, das Kaiserreich ein autoritrer nationaler Machtstaat. Die Bundesrepublik steht nicht in seiner Tradition. 150 Jahre nach der Reichsgrndung verbindet das Buch Geschichte und Gegenwart, historische Analyse und geschichtspolitische Intervention. Eckart Conzes scharf gedachte und brillant formulierte Darstellung gibt Antworten auf politisch virulente Fragen, leuchtet die Hintergrnde geschichtspolitischer Debatten aus und bezieht engagiert Stellung: Es gibt nichts zu feiern. Das Reich von 1871, es ist vergangen. Das Deutschland der Gegenwart steht nicht in seiner Tradition.Nicht zuletztder Sturm des Reichstags vonDemonstranten mit Reichs- und Reichskriegsflaggen hat das Thema dieses Buches in den Mittelpunkt einer erbittert gefhrten ffentichen Debatte gerckt. "e;Die nationale Einheit 1871 wurde erzwungen, mit Eisen und Blut, nach Kriegen mit unseren Nachbarn, gesttzt auf preuische Dominanz, auf Militarismus und Nationalismus. Ich selbst war erst vor wenigen Tagen im Militrhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden - ein groe, eine gute Ausstellung - und von der Decke, in einer Ecke des Saales, hingen an langen Fden zahllose Kinderbcher aus jener Zeit. In ihnen, kleine Jungen, die kaum ber die Tischkante gucken konnten, aber bereits stolz die Soldatenuniform tragen und begeistert die Kriegstrommel schlagen. Diese Glorifizierung des militanten Nationalismus, diese Verherrlichung des Krieges, des Heldentodes, selbst von Kindesbeinen an, das war der unselige Geist der damaligen Epoche. Es war ein kurzer Weg von der Grndung des Kaiserreiches bis zur Katastrophe des Ersten Weltkrieges."e; Frank-Walter Steinmeier
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