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Als der alte Fahrenbach, der eine zunachst kleine Firma im Weinanbau und -vertrieb errichtet und im Laufe der Jahre zu einem bedeutenden Familienunternehmen erweitert hat, das Zeitliche segnet, hinterlasst er ein ziemlich seltsames Testament. Drei seiner Kinder scheinen Grund zur Freude zu haben, Frieder als neuer Firmenchef, Jorg als Schlossherr und Grit als Villenbesitzerin. Bettina war diese Strecke schon so oft geflogen, doch noch niemals war ein Flug nach Paris so kurzweilig gewesen. Sie hatte sich mit Doris angeregt unterhalten, beide hatten mit einem bildschonen, jungen Steward geflirtet und gescherzt. Dann waren sie vom Flughafen Charles de Gaulle, auf dem alle internationalen Flugzeuge landeten, nach Orly gefahren, dem Flughafen, auf dem die nationalen Fluge abgefertigt wurden. Von Orly sollte es nach Bordeaux weitergehen. Da waren sie langst nicht mehr so gut aufgelegt gewesen, und das lag, wei Gott, nicht an der oden Fahrt uber den immer verstopften Ring von Roissy nach Orly. Nein, jetzt waren sie in Frankreich, ihrem eigentlichen Ziel, dem Chateau Dorleac, schon ein ganz gehoriges Stuck naher. Beide fuhlten sich unbehaglich, und obschon sie nicht daruber sprachen, wussten sie, dass sie an Jorg denken mussten. Fur Doris wurde es ein Wiedereintauchen in ihre Vergangenheit sein, eine Ruckkehr an den Ort, an dem sie mit ihrem Ehemann Jorg gelebt hatte und an dem ihre Ehe schlie lich auch zerbrochen war. Und Bettina? Die fuhlte sich unbehaglich, weil sie nicht als Besucherin auf das Chateau fahren wurde, sondern als Erbin, und das war ein gewaltiger Unterschied. Sie konnte sich uber dieses Erbe nicht freuen, denn es war ihr nach dem Tod und dass er tot war, daran durfte sie einfach nicht langer zweifeln ihres Bruders zugefallen. Sie konnte damit nicht umgehen, weil sie auch Jorgs Tod nicht wahrhaben wollte und sich, so verruckt es auch war, an ein winziges Stuckchen Hoffnung klammerte, er konne den Flugzeugabsturz doch uberlebt haben. Doch au er ihr glaubte niemand mehr daran, vielleicht Leni, aber mit der hatte sie daruber auch nicht mehr gesprochen. Sie seufzte abgrundtief auf. Doris, die wahrend der ganzen Zeit uber ihre Stirn gegen die Scheibe des Zubringerbusses gepresst hatte, der sie nach Orly brachte, drehte sich um. Ich hatte nicht mitfliegen sollen , sagte sie duster, ich habe mich, glaube ich, noch niemals zuvor in meinem Leben so unbehaglich gefuhlt Wei t du, Bettina, irgendwie habe ich das Gefuhl, mich dort einzuschleichen. Jorg und ich sind geschieden, ich habe auf dem Chateau doch uberhaupt nichts mehr zu suchen. Um Gottes willen, Doris, so darfst du das nicht sehen. Jorg, und du, ihr seid doch nicht wie Feinde auseinandergegangen, im Gegenteil.
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