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Ein freundliches Gesicht steigt aus einer Lampe, bereit, drei Wünsche zu erfüllen. So vertraut ist die Figur des Flaschengeistes, dass ihre Herkunft kaum noch hinterfragt wird. Doch der Dschinn, den die arabisch-islamische Überlieferung kennt, ist kein dienstbarer Wunscherfüller. Er gehört einer unsichtbaren Welt eigenständiger Wesen an, denen freier Wille, moralische Verantwortung und Sterblichkeit zugeschrieben werden. Im Koran ist seine Existenz Teil einer religiösen Ordnung. Von einer Verpflichtung, menschliche Wünsche zu erfüllen, ist dort keine Rede.Die Wege, auf denen sich daraus das vertraute Bild des Flaschengeistes entwickelte, führen durch vorislamische Glaubensvorstellungen, islamische Überlieferungen, die Legenden um König Salomo und die vielgestaltigen Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht. Dort kann das verschlossene Gefäß noch ein Gefängnis sein, das dem Geist seine Freiheit nimmt, nicht aber seinen Willen. In anderen Geschichten genügt der Besitz einer Lampe, um über seine Fähigkeiten zu verfügen. Zwischen Gefangenschaft, Beherrschbarkeit und Gehorsam liegen Unterschiede, die durch spätere Übersetzungen, literarische Bearbeitungen und populäre Darstellungen zunehmend verwischt wurden.'Die Erfindung des Dschinn' verfolgt diese Vorstellungen durch ihre religiösen, historischen und kulturellen Zusammenhänge. Dabei wird sichtbar, wie sich überlieferte Wesen verändern, neue Eigenschaften erhalten und schließlich Vorstellungen verkörpern, die ihren früheren Bedeutungen kaum noch entsprechen. Hinter der Geschichte eines vermeintlich allmächtigen Wunscherfüllers steht damit auch die Geschichte menschlicher Erwartungen: das Verlangen, über fremde Kräfte zu verfügen, Grenzen zu überwinden und den eigenen Willen zur Wirklichkeit werden zu lassen. Gerade die Regeln, die der Mensch dem Wünschen auferlegt, verraten dabei oftmals mehr über ihn selbst als über jenes Wesen, von dem er ihre Erfüllung erwartet.
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