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Muss man dem Neuen Testament vollen Glauben schenken - und warum?
Fausto Sozzini (1539-1604), nach dem der Sozinianismus benannt ist, stellt in seinen Lectiones Sacrae nicht die Frage, ob die christliche Religion wahr ist - das setzt er voraus. Er fragt allein, ob man den Büchern des Neuen Testaments trauen darf. Vier Ursachen könnten einem Buch mit Recht den Glauben entziehen: Sein Verfasser wusste die Wahrheit nicht oder wollte sie nicht sagen; man weiß nicht, wer es geschrieben hat; es wurde nachträglich verfälscht; glaubwürdige Zeugnisse sprechen gegen es.
Hier spricht ein Lehrer zu seinen Hörern, und er weicht keiner Schwierigkeit aus: den Abweichungen der Evangelisten, den beiden Berichten von der Bekehrung des Paulus, der Rechtfertigung bei Paulus und Jakobus, den Anführungen aus dem Alten Testament - vom Zeichen des Immanuel bis zum Stammbaum Christi. Sozzini gibt jede Schwierigkeit ungeschmälert zu, wägt die Lösungen der Kirchenväter und der neueren Ausleger ab und legt seine eigene vor. Er verteidigt die Glaubwürdigkeit des Neuen Testaments, indem er die Einwände gegen sie ernster nimmt als mancher ihrer Verteidiger. Mitten in der Frage nach den Verfassern, beim Matthäusevangelium, bricht der Text ab: ein Opus imperfectum, eine Vorlesung, die nicht zu Ende kam.
Diese Ausgabe enthält:
- die vollständige deutsche Übersetzung aus dem lateinischen Text der Bibliotheca Fratrum Polonorum
- eine Einteilung in Kapitel mit Überschriften zur Orientierung
- Fußnoten zu Personen, Büchern, Schulbegriffen und Bibelstellen
- ein Begriffsglossar
Für wen dieses Buch ist: für Leserinnen und Leser, die sich für die Geschichte der Bibelauslegung, für die Radikale Reformation und die Polnischen Brüder interessieren oder für die Frage, wie ein Theologe des 16. Jahrhunderts, dem die Schrift die einzige Grundlage des Glaubens war, mit ihren Unstimmigkeiten umging.
„Prüft alles, und das Gute behaltet." - 1. Thessalonicher 5,21
Übersetzt und herausgegeben von Marcin Poholski. Deutsche Lese- und Arbeitsausgabe nach dem lateinischen Original.
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